Was ist Lean Management?

31. Mai 2017 item Redaktion

Nicht nur die Effektivität in der Produktion kann durch die Lean-Philosophie verbessert werden.

In der Vergangenheit haben wir uns bereits ausführlich den Prinzipien der Lean Production gewidmet: Darunter waren Themen wie 7 Muda, 5S, Just in Sequence oder das FIFO-Verfahren. Zunächst wurde dabei bewusst ein Bereich ausgespart, der immer stärker in den Fokus rückt: Lean Management. Das ist im Grunde nur folgerichtig, denn die Grundgedanken der Lean-Methode sind ebenso auf Unternehmen als Ganzes übertragbar, wenn auch mit gewissen Zuspitzungen. Allerdings herrscht hier eine gewisse Begriffsverwirrung: Wo endet eigentlich Lean Management und wo beginnt Lean Production? Oder verhält es sich eher umgekehrt? 

Von Lean Production zu Lean Management 

Der Weg des Toyota Production Systems (TPS) um die Welt wird zurecht als Erfolgsgeschichte beschrieben. James Womack, Daniel Jones, Daniel Roos hatten Methoden der japanischen Automobilindustrie analysiert und machten sie mit ihrem Buch „The Machine that changed the World: The Story of Lean Production” weitreichend bekannt. Seither sind die Erfolgsprinzipien der nun als Lean Production bezeichneten Methode – Vermeidung von Verschwendung, kontinuierliche Verbesserung, Aufwertung des einzelnen Mitarbeiters – für die industrielle Produktion zum Standard avanciert. 

Nach dem Siegeszug der Lean Production wurde schnell deutlich, dass sie sich auch zur Optimierung von Prozessen eignet, die nicht mit industrieller Produktion zusammenhängen. Dies führte zur umfassenden Disziplin des Lean Management. Schließlich ist das Bestreben, durch die Vermeidung von Verschwendung Abläufe zu optimieren und kontinuierlich besser zu werden, allgemeingültig. Nimmt man Lean Management ernst, so muss das gesamte Unternehmen danach ausgerichtet werden. Konkretes Ziel ist die Effizienzsteigerung bei gleichzeitiger Kundenorientierung und Kosteneinsparung. So gesehen, ist Lean Management als gelebte Unternehmensphilosophie auf allen Ebenen zu betrachten, während sich Lean Production konkret in den Produktionshallen abspielt. 

Lean-Management-Prinzipien 

Konsequent realisiertes Lean Management fußt im Wesentlichen auf drei Prinzipien: 

1.) Kontinuierliche Verbesserung 

Was für die Lean Production gilt, ist ebenso für das Lean Management von entscheidender Bedeutung: Der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) bestimmt das alltägliche Handeln im Betrieb. Adaptiert wurde er von der traditionellen japanischen Geisteshaltung namens „Kaizen“ (Kai bedeutet „Veränderung“, Zen heißt übersetzt „zum Guten“). 

Auf Arbeits- beziehungsweise Managementprozesse übertragen, hat dies folgende Auswirkungen: Es wird eine Fehlerkultur etabliert, die sich von der herkömmlichen Herangehensweise erheblich unterscheidet. Fehler werden nicht als Makel betrachtet, sondern als Ausgangspunkt für Verbesserungen. Da jeder Prozess immer weiter optimiert werden kann und es allein auf den Detailgrad der Analyse ankommt, gibt es folglich keinen Abschluss des KVP. Dies sollte keinesfalls negativ gesehen werden – ganz im Gegenteil. Es geht immer noch ein Stück besser. 

2.) Prozessorientierung 

Die zweite entscheidende Säule für Lean Management ist die Prozessorientierung. Dabei tritt das Abteilungsdenken zurück und der eigentliche Prozess in Gänze rückt in den Vordergrund. Dieses Umdenken lässt sich auch als ein Wandel von der Privilegierung des Spezialistentums hin zur Förderung der Interdisziplinarität beschreiben. Der detailfreudige Blick auf Prozesse begünstigt zudem die Umsetzung des KVP. 

3.) Kunden- und Mitarbeiterorientierung

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die dezidierte Kundenorientierung, wobei hier nicht zwischen externen und internen Kunden unterschieden wird: Eine Anlieferung für den Mitarbeiter einer anderen Abteilung wird mit der gleichen Sorgfalt umgesetzt, als würde es um den Auftrag eines externen Neukunden gehen. Durch die Einebnung allzu starrer hierarchischer Strukturen wird zudem eine verbesserte Einbeziehung der Mitarbeiter erreicht. 

Lean Leadership 

Flachere Hierarchien, kürzere Wege und ein Bewusstsein für vermeidbare Verschwendung können bereits nach kurzer Zeit sichtbare Effekte zeitigen und als sinnvoller Startschuss für Lean Management fungieren. Als Idealvorstellung sehr brauchbar ist im Übrigen das Konzept des Lean Leadership: Hierbei steht die Befähigung der Mitarbeiter besonders im Vordergrund. Dies stellt übrigens eine bemerkenswerte Übereinstimmung mit den fortschrittlichen Ideen von Henry L. Gantt dar. Indem führende Angestellte konsequent daran arbeiten, ihre eigenen Fähigkeiten und diejenigen ihrer Teammitglieder zu verbessern, profitiert das ganze Unternehmen. Im Idealfall ist dies ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess in Reinkultur. 

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