Darum lohnt sich Scrum im Maschinenbau

13. Mär 2019 item Redaktion

Märkte, Branchen und Geschäftsmodelle wandeln sich rasant. Warum nicht im Maschinenbau Scrum als Rahmen für komplexe Projekte nutzen?

Aus diesem Grund sind Methoden gefragt, um diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen. Aktuell hört man in diesem Kontext immer häufiger ein bestimmtes Wort: Scrum. In den 1990er-Jahren nahm die Projektmanagement-Methode Scrum in der Software-Entwicklung ihren Anfang. Übersetzt bedeutet Scrum „Gedränge“ und steht für die enge und gleichberechtigte Zusammenarbeit bei einem bestimmten Spielzug im Rugby. Inzwischen führt an diesem Begriff gerade im Rahmen der digitalen Transformation von Unternehmen im Grunde kein Weg vorbei. Gleichzeitig fragen sich Vertreter zahlreicher Branchen, ob sich Scrum für die eigenen Prozesse wirklich eignet. Ohne nähere Beschäftigung mit der Scrum-Thematik ist es aufgrund der vielen fremden Begriffe zunächst nicht leicht, sich zurechtzufinden. In diesem Beitrag möchten wir daher eine Einführung in die Welt von Scrum geben und aufzeigen, wie Scrum dem Maschinenbau Vorteile verschaffen kann. 

Scrum-Grundlagen im Überblick

Bei Scrum werden Aufgaben in sogenannten Sprints abgearbeitet, die in der Regel 14 Tage dauern. Diese Aufgaben befinden sich im Sprint Backlog, wo alle Aufgaben, die das Team für den jeweiligen Sprint bestimmt hat, lagern. Aufgaben werden in Form von User Stories aus Kundenperspektive detailliert festgehalten und in einzelne Teilaufgaben (Subtasks) zerlegt. Das Team bestimmt hierbei selbst, welche User Stories es in den Sprint zieht, geht damit aber auch eine Verpflichtung ein. Bevor User Stories in den Sprint Backlog gelangen, befinden sie sich im Backlog, einer Art Archiv für anstehende Aufgaben. Befüllt wird der Backlog vom Product Owner: Er fungiert als eine Art Vermittler zwischen verschiedenen Stakeholdern (wie Kunden und der eigenen Geschäftsführung) und dem Team und ist dafür zuständig, User Stories zu schreiben und zu priorisieren. Der sogenannte Scrum Master hingegen ist nicht für inhaltliche Belange zuständig. Sein Fokus liegt allein auf der Einhaltung der Regeln des Scrum-Rahmenwerks und der Beseitigung von Hindernissen (Impediments), etwa technischen Problemen. 

Zum Regelwerk von Scrum gehört auch ein festes Repertoire an Veranstaltungsformaten. Daily Scrum ist ein tägliches Treffen von 15 Minuten Länge, bei dem die einzelnen Teammitglieder von ihren zurückliegenden und bevorstehenden Aufgaben berichten. Anschließend kann ein Follow-up stattfinden, in dem Neuigkeiten oder andere wichtige Entwicklungen besprochen werden. Vor Beginn jedes Sprints gibt es ein Sprint Planning, in dem entschieden wird, welche User Stories in den Sprint Backlog gelangen. Am Ende jedes Sprints stellt das Team schließlich die Ergebnisse im Sprint Review vor. Im Refinement werden die User Stories im Backlog aktualisiert. Schließlich wird in regelmäßigen Abständen in der Sprint-Retrospektive die Situation im Team diskutiert. Es hat sich übrigens bewährt, auf eine Kombination von Software für agiles Projektmanagement und einem physischem Scrum Board zu setzen. User Stories mitsamt Subtasks werden in der Software angelegt und ausgedruckt. Auf dem Scrum Board können sie angebracht und mittels farbiger Magnetpins einzelnen Teammitgliedern zugewiesen werden. 

Scrum im Maschinenbau: Vorteile und Ausblick  

Was wir bereits über die Digitalisierung im Maschinenbau festgehalten haben, gilt in ähnlicher Weise auch für Scrum: Pauschale Empfehlungen sind nur bedingt möglich. Dennoch lassen sich gewisse Leitlinien festhalten. Vor allem für die Produktentwicklung im Maschinenbau empfiehlt sich Scrum. Die Anforderung des Marktes und der Kunden steigen stetig, sodass die Zeit für die Entwicklung neuer Produkte immer knapper wird. Scrum ermöglicht es den Projekt-Teams, schnell auf wechselnde Anforderungen zu reagieren, gerade aufgrund der dezidierten Kundennähe. Zudem werden Unternehmen im Maschinenbau immer stärker zu Softwareentwicklern. Exemplarisch zeigt sich dies anhand von Digital Engineering. Scrum stammt bekanntlich aus der IT-Entwicklung und lässt sich ohne Anpassungen optimal einsetzen. Hier schließt sich gewissermaßen der Kreis. 

Überhaupt sind innovative Verknüpfungen von Hard- und Software und idealerweise neue Geschäftsmodelle die Voraussetzung, um die Zukunft des Maschinenbaus aktiv mitzugestalten. Wer hier als Unternehmen bestehen möchte, muss darüber hinaus der Befähigung der eigenen Mitarbeiter eine hohe Priorität einräumen. Noch nie war Wissen so schnell überholt wie jetzt. Auch in diesem Aspekt kann Scrum punkten: Es ist ausdrücklich gewünscht, dass gewerkeübergreifend gearbeitet wird und intensiver Wissenstransfer erfolgt. Auf diese Weise heben sich die Mitglieder eines Scrum-Teams gegenseitig auf neue Kompetenzniveaus. Das Konzept des lebenslangen Lernens wird also durch Scrum in die Tat umgesetzt. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass plötzlich jeder zum IT-Experten avanciert. IT-Grundkenntnisse stellen jedoch bereits jetzt häufig eine Grundvoraussetzung dar, beispielsweise in der Konstruktion. Wie man es auch dreht und wendet: Der Maschinenbau wird auf Scrum kaum verzichten können. 

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