Experten-Interview: Was bringt Digital Engineering?

4. Jul 2018 item Redaktion

Vorteile der Digitalisierung für den Maschinenbau effizient nutzen und richtig kommunizieren.

Aufgrund wachsender Kundenanforderungen werden die Durchlaufzeiten im modernen Maschinenbau immer kürzer. Dies setzt Unternehmen und ihre Mitarbeiter einem hohen Druck aus. Für die Zukunft der Konstruktion im Maschinenbau wird es daher entscheidend sein, neue Möglichkeiten zur Prozessoptimierung frühzeitig zu nutzen. Im Experten-Interview erklärt item Vertriebsleiter Florian Palatini, wie Digital Engineering hierzu längst vorhandene digitale Elemente des Maschinenbaus intelligent erweitert und nahtlos miteinander verknüpft. Dabei wird deutlich, dass es oft schon vergleichsweise kleine Eingriffe sind, die – gezielt eingesetzt – klare Wettbewerbsvorteile für das eigene Unternehmen schaffen.


Was ist Digital Engineering und warum sollte ich mich als Maschinenbauer damit befassen?

Nachdem das Thema Industrie 4.0 von der Industrie lange Zeit relativ theoretisch und eher konzeptionell angegangen wurde, finden immer mehr Bausteine Einzug in das taktisch-operative Geschäft und den Arbeitsalltag der Unternehmen. Es ist dabei weniger die komplette Digitalisierung der Fabrik auf einen Schlag, als die sukzessive Digitalisierung einzelner Bereiche. Beispiele hierfür sind etwa die Überwachung von Maschinendaten durch den Vorarbeiter am iPad, die automatische Warenbeschaffung durch die Maschinen selbst oder aber der verstärkte Einsatz von intelligenten fahrerlosen Transportsystemen.

Die schrittweise voranschreitende Digitalisierung der deutschen Industrie stellt insbesondere den Maschinenbau vor Herausforderungen: Es gilt zu definieren, welche Auswirkungen der digitale Wandel für die klassischen eigenen Geschäftsfelder haben wird und wie daraus Chancen für zukünftige Geschäftsmodelle abzuleiten sind. Digital Engineering ist hier als einer der Themenbereiche zu nennen, der dem Maschinenbau das Potential bietet, sowohl im Rahmen von internen Prozessabläufen als auch an der Schnittstelle zum Kunden von der Digitalisierung zu profitieren.


Aber ist der Maschinenbau nicht ohnehin eine digitale Branche? Der Umgang mit 3D-Daten und CAD ist doch mittlerweile selbstverständlich.

Dank seiner hohen Innovationskraft hat der Maschinenbau schon immer Trends erkannt oder sie selbst gesetzt. Digital Engineering geht allerdings weit über die einfache Nutzung von CAD und 3D Daten als einer Art Insellösung hinaus. Es umfasst vielmehr die Möglichkeiten der Vernetzung von Konstrukteuren und deren Projekten – weit über die aktuell originäre Aufgabe des Projektierens hinaus.

Dies betrifft zum Beispiel die Herausforderung, inwiefern die Digitalisierung dazu beitragen kann, vor- und nachgelagerte Aufgabenstellungen und Prozesse wie Produktion oder After-Sales-Service in den Arbeitsablauf von Konstrukteuren zu integrieren. Hierzu zählen auch die abteilungsübergreifende Kooperation und Optimierung anhand komplett digitaler Prozesse.


Ist der denkbare Gewinn bei der Prozesseffizienz wirklich so hoch, dass sich die Investition in die dazu notwendige Infrastruktur lohnt?

Der eingangs erwähnte Begriff Industrie 4.0 wirkt mitunter etwas abschreckend, denn häufig ist gar nicht klar, was Industrie 4.0, bezogen auf das eigene Geschäft, nun konkret bedeutet. Jedes Unternehmen im Maschinenbau wird zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, welche Strategie und Maßnahmen vor dem Hintergrund der eigenen Situation sinnvoll und wirtschaftlich erscheinen. 

Es muss auch nicht immer der ganz große Wurf sein, um signifikante Optimierungen und Effizienzsteigerungen zu erzielen. Häufig tragen die Wahl des richtigen Partners und die Integration passender kleiner Tools schon dazu bei, konkrete Vorteile der Digitalisierung effizient nutzen zu können. Auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel kann der Mehrwert stabil durchdeklinierter und abteilungsübergreifender Prozesse gar nicht hoch genug bewertet werden.


Was sollten Maschinenbauer zu den gerade genannten Punkten sonst noch beachten?

Die Symbiose oder auch die Anpassung einzelner Prozesse mit den bereits heute bestehenden Möglichkeiten der Digitalisierung ist kein Selbstläufer. Es erfordert eine bewusste strategische Unternehmensentscheidung, um die bereits erwähnten Vorteile auch realisieren zu können. Der Mitarbeiter steht hier ganz klar im Mittelpunkt und muss einbezogen und mitgenommen werden, da sich Arbeitsabläufe ändern werden. Es gilt, diese Änderungen und Fortschritte seitens der Unternehmensführung zu begleiten und Chancen und Risiken zu bewerten. 

 

Gerade Chancen müssen gegenüber den Mitarbeitern klar hervorgehoben werden. Im Kern geht es im Digital Engineering ja um eine effiziente Verkettung von Standardprozessen. Der Zeitgewinn kann dann für wertschöpfende Aufgaben, etwa die eigentliche Konstruktionsarbeit, genutzt werden. Wenn es gelingt, diese Vorteile klar zu kommunizieren, steigt automatisch die Akzeptanz der Veränderung von eingelebten Prozessen.


Wie kommuniziert man Digital Engineering dann am besten innerhalb des Unternehmens?

Die effiziente Verkettung von Standardprozessen bedeutet für den einzelnen Mitarbeiter im Endeffekt die Vermeidung unnötiger wiederkehrender Aufgaben. Hierzu bietet das item Engineeringtool etwa intelligente Automatik-Funktionen für zahlreiche Schritte in der 3D-Konstruktion. Wichtig ist auch die digitale Übertragung von Daten innerhalb der Prozesskette. Damit entfallen lästige händische Neueingaben, etwa bei der Bestellung von Komponenten für die Konstruktion. 

Ebenso sind durch den automatischen Übertrag Fehler bei der erneuten Eingabe ausgeschlossen. Obwohl die Vorteile für den einzelnen Mitarbeiter klar aufzeigbar sind, dürfen im Kontext des Digital Engineering natürlich ebenso die Vorteile für das Unternehmen angesprochen werden. Hier geht es letztendlich um eine transparente Kommunikation bezüglich der Frage, welchen Stellenwert die Digitalisierungsstrategie für die Zukunft des Unternehmens und damit die Sicherheit von Arbeitsplätzen hat.


Wie genau wird Digital Engineering in Zukunft die Arbeit im Maschinenbau verbessern?

Neben dem klassischen Verkauf von Maschinen wird der Maschinenbau in Zukunft vermehrt Umsatz mit Dienstleistungen rund um die Maschine erwirtschaften. Das kann zum Beispiel die vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) oder eine Optimierung der Anlage sein. Ständig verfügbare und gesicherte Online-Archive mit der kompletten Projekthistorie, aber auch eine Echtzeit-Abstimmung mit dem Kunden vor Ort bieten in dieser Richtung Mehrwerte, um das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Weitere konkrete Beispiele sind die deutlich einfachere Zusammenarbeit mehrerer Konstrukteure an gemeinsamen Projekten oder die Möglichkeit, auf Kundenseite Projektinformationen online, unkompliziert und ohne den Umweg über spezielle CAD-Reader teilen zu können.


Ergeben sich hieraus auch neue Geschäftsmodelle?

Ein Blick auf die Leitmesse in Hannover zeigt, dass Maschinenhersteller immer mehr zu Softwareentwicklern werden. Die Unternehmen, denen es gelingt, aus der Kombination von Hard- und Software attraktive Angebote für ihre Kunden zu kreieren oder sogar neue Geschäftsfelder zu erschließen, werden im Zeitalter der Digitalisierung die Nase vorn haben. Mit dem leistungsfähigen item Engineeringtool nutzen unsere Kunden schon heute die Vorteile des Digital Engineerings zu ihrem Wettbewerbsvorteil. Unser Ziel ist es, die Zukunft der Konstruktion im Maschinenbau auf Basis von mehr als 40 Jahren Innovationsgeschichte aktiv zu gestalten.

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