„Systembaukästen liegen im Trend“ - Interview mit Oliver Teckenberg

2. Apr 2015 item Redaktion

Welche Anforderungen müssen Systembaukästen in Zukunft erfüllen und welche Rolle spielt dabei Lineartechnik? 

Im Interview mit der „Konstruktionspraxis“ gibt Oliver Teckenberg, Produktmanager Maschinenbau und Automation bei item, Antworten auf diese und weitere Fragen.

Herr Teckenberg, welche Trends können Sie derzeit im Maschinen- und Anlagenbau erkennen?

Für den Kunden gewinnt es zunehmend an Bedeutung, neben einem umfangreichen Baukasten auf fertige Lösungen für seine Aufgabenstellung zurückgreifen zu können. Diese reduzieren den Konstruktionsaufwand erheblich und geben darüber hinaus ein hohes Maß an Planungssicherheit. Ein umfangreicher Baukasten stellt zudem sicher, dass Lösungen beliebig zu kombinieren und zu einer funktionellen Anlage erweiterbar sind. Eine umfassende Sensorik und Aktorik im Sinne der Industrie 4.0 kann so ebenfalls in die Anlage integriert werden.

Wie begegnen Sie diesem Trend des System- und Baukastenprinzips in Ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit?

Wir stellen unseren Kunden einen der umfangreichsten Systembaukästen für den Maschinenbau zur Verfügung. Neben der Weiterentwicklung dieses Systembaukastens werden ständig parallel dazu Lösungen für verschiedene Produktbereiche entwickelt, die sich aus vorhandenen Komponenten zusammensetzen und aufeinander abgestimmt sind. So haben wir auf der letztjährigen Motek 25 neue Lösungen für einbaufertige Lineareinheiten vorgestellt. Wichtig waren eine vollständige Kompatibilität zum MB-Systembaukasten sowie die Kompatibilität zu anderen Lösungen wie Schutz und Trennwandsystemen für die Produktion und Maschinenkabinen.

Spielen neben Form und Flexibilität auch Materialien bei Neuentwicklungen eine Rolle?

Ja, denn die industrielle Produktion erreicht immer höher werdende Automatisierungsgrade. Damit Prozesse wirtschaftlich umgesetzt werden, sind kurze Taktzeiten von großer Bedeutung. Für eine hohe Energieeffizienz sollten hier leichte Materialien zum Einsatz kommen, die hochdynamische Bewegungen mit minimalem Energieaufwand ermöglichen. Item setzt verstärkt Aluminium ein, das neben einer geringen Dichte über eine hohe Festigkeit verfügt. Darüber hinaus sind unsere eingesetzten Materialien RoHS-konform und entsprechen der europaweiten REACH-Verordnung.

Sehen Sie neue Anwendungsgebiete für Linearführungen in naher Zukunft?

Lineareinheiten der Zukunft werden auf kleinstem Raum über eine hohe Leistung verfügen. Das ist ein allgemeines Ziel. Allerdings werden sie zukünftig nicht nur im industriellen Umfeld zu finden sein. Ich gehe davon aus, dass sie uns immer häufiger in unserem täglichen Leben begegnen werden. Ein Beispiel, das uns bereits heute begegnet, sind Apotheken, bei denen Lineareinheiten für den Kunden sichtbar die Versorgung mit Medikamenten auf kleinstem Raum automatisiert sicherstellen. Die riesigen Apothekerschränke gehören so der Vergangenheit an. Diese Anwendungen, bei denen die Lineareinheiten in das Blickfeld der Endkunden kommen, bringen neue Anforderungen mit sich. Die eingesetzten Lineareinheiten müssen leise sein und darüber hinaus hohen Designansprüchen Genüge leisten.

Gibt es bei item bereits Linearführungen, die für solche Einsätze geeignet sind, also beispielsweise geräuscharm laufen?

item Lineareinheiten basieren auf verschiedenen Antriebskonzepten in Kombination mit Rollenführungen. Rollenführungen zeichnen sich durch eine hohe Laufleistung in Kombination mit einem besonders leisen Lauf aus. Gekapselte Lineareinheiten mit speziell entwickelten Zahnriemen wie unsere Lineareinheiten KLE unterstützen eine geringe Geräuschentwicklung. Auch das Thema Design spielt im Hause Item eine entscheidende Rolle. Die Lineareinheit KLE ist für ihr gutes Design bereits im Jahre 2008 mit dem Retdot-Design-Award ausgezeichnet worden.