Industrie 4.0 in der Produktion: Der Faktor Ergonomie

11. Apr 2018 item Redaktion

Darum sind ergonomische Prinzipien auch in der digitalen Zukunft topaktuell. 

Angesichts von Digitalisierung und Industrie 4.0 gibt es derzeit einige häufig diskutierte Fragen: Wird der menschliche Arbeiter bald gegen digitale Kollegen ausgetauscht? Ist die Smart Factory ein Ort, an dem nur miteinander vernetzte Maschinen das Sagen haben? So verständlich solche Ahnungen auch sind – diese Angst ist unbegründet. Hinsichtlich unserer kognitiven Leistungsfähigkeit sind wir in vielen Bereichen auch langfristig nicht durch Roboter oder Algorithmen zu ersetzen. Nimmt man zusätzlich motorisch komplexe Arbeitsschritte in den Blick, so wird die Sache noch deutlicher. Eine gewisse Unsicherheit bleibt jedoch: Wie hat man sich den industriellen Arbeitsplatz der Zukunft eigentlich vorzustellen? Welche Auswirkungen hat Industrie 4.0 in der Produktion auf Ergonomie und Mitarbeiterschutz? 

Digitale Transformation als einmalige Chance 

In einem Punkt ist man sich einig: Die herkömmliche Massenproduktion wird bald der Vergangenheit angehören. An ihre Stelle rückt mehr und mehr die serielle Produktion kundenindividueller Einzelstücke. Durch die intelligente Vernetzung sämtlicher Stationen innerhalb der Wertschöpfungskette wird eine flexible und individuelle Fertigung in Losgröße 1 zum Ziel. Es müssen also die der Produktion vor- und nachgelagerten Prozesse nicht nur miteinander, sondern auch mit allen Stufen des Produktionsprozesses in einem kontinuierlichen Datenaustausch stehen. So können Abstimmungsfehler, etwa durch nicht rechtzeitig verfügbares Material am Arbeitsplatz, frühzeitig vermieden werden. 

Befürchtungen, dass sich das industrielle Arbeitsumfeld allzu drastisch verändern wird, sind jedoch unbegründet. Es steht außer Frage, dass sich der einzelne Mitarbeiter mit neuen Technologien beschäftigen muss. Im Kontext der digitalen Transformation erhält das Konzept des lebenslangen Lernens so eine ungemeine Aktualität. Eine Verdrängung der menschlichen Mitarbeiter ist allerdings nicht zu befürchten. Bereits vorhandene Aspekte werden hingegen zusätzlich an Relevanz gewinnen. Dazu zählen neben Ergonomie auch Individualisierung und Modularität. Auf diese Aspekte sollten Unternehmen großen Wert legen, um auch von künftigen Generationen als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden und ihre Zukunftssicherheit zu erhalten.

Ergonomie ist alles andere als ein altes Eisen 

Nach wie vor sind ergonomische Gesichtspunkte wesentliche Faktoren bei der Arbeitsplatzgestaltung. Sie dienen der Produktivitätssteigerung des Mitarbeiters und seiner Gesundheit gleichermaßen. Damit ist auch stets die Individualisierbarkeit des Arbeitsplatzes verbunden. Ein ergonomisches Arbeitsplatzsystem bietet die optimale Basis, um manuelles Arbeiten in der Produktion effektiver zu gestalten. Hier sind als prominente Beispiele höhenverstellbare Arbeitsstühle und -tische zu nennen, die perfekt an den individuellen Körperbau der Werker angepasst werden können. So ist auch die Umwandlung von einem Steh- in einen Sitzarbeitsplatz (und umgekehrt) ein Leichtes. Zudem vermeidet die individuelle Positionierung von Materialien und Werkzeugen allzu einseitige Bewegungen. 

Oft übersehen, aber nicht minder wichtig: Mit der richtigen LED- oder Tageslicht-Beleuchtung erhöht sich die Konzentrationsfähigkeit, was das Risiko von Fehlern senkt. Darüber hinaus lässt sich ein modulares Arbeitsplatzsystem mühelos an die zunehmende Technisierung der Arbeitswelt anpassen und erweitern. Dies geschieht ohne großen Mehraufwand oder gar Stillstand. So können Monitore in ergonomischer Position angebracht sowie Kabel und Leitungen geschützt in Kabelwannen oder -kanälen verstaut werden. Schwenkbare Monitorarme sorgen für eine präzise und individuelle Ausrichtung, die unnötige körperliche Belastungen vermeidet. Grundsätzlich sollten Bildschirme stets im Blickfeld des Mitarbeiters und nicht seitlich platziert sein. 

 

Industrie 4.0 in der Produktion – ein Plus für die Ergonomie

Durch die Auswirkungen des demografischen Wandels und des zunehmenden Anteils älterer Mitarbeiter wird die Relevanz der Ergonomie noch verstärkt. Es gilt, die Gesundheit und Leistungskraft der alternden hochqualifizierten Mitarbeiter so lange wie möglich zu erhalten. Denn ergonomische Arbeitsplatzgestaltung ist stets auch eine prophylaktische Maßnahme. Darüber hinaus sollte Industrie 4.0 in der Produktion auch als Entlastung begriffen werden: Trotz steigender Automatisierung führt an manuellen Montagearbeiten auch in Zukunft kein Weg vorbei. 

In diesem Kontext sind kollaborierende Roboter zu verorten. Ihnen kommt die Aufgabe zu, der Belegschaft im unmittelbaren Kontakt belastende Arbeitsschritte abzunehmen. Dazu zählen beispielsweise das Heben und die Positionierung schwerer Werkstücke. Beim Einsatz von kollaborierenden Robotern gelten zudem besondere Sicherheitsbeschränkungen. Gefahren durch eine mögliche Kollision von Mensch und Maschine müssen minimiert werden. Auch cyber-physische Systeme (CPS) dienen der Unterstützung des menschlichen Mitarbeiters. Dabei dient das eingesetzte Werkzeug gleichzeitig als Informationsträger. So kann es etwa selbstständig mitteilen, welcher Mitarbeiter sich aufgrund seiner körperlichen Beschaffenheit für den nächsten Arbeitsschritt empfiehlt und wer geschont werden sollte. 

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