Ergonomisches Sitzen am industriellen Arbeitsplatz

17. Feb 2016 item Redaktion

Warum vom Sitzen eine Gefahr ausgeht und wie ihr zu begegnen ist. 

Nachdem wir uns letzte Woche bereits dem Thema Beleuchtung angenommen haben, betrachten wir nun die Besonderheiten des ergonomischen Sitzens in der Industrie. Dabei geht es um zweierlei Aspekte: Zum einen wird oft die Tatsache ignoriert, dass der Mensch für das Dauersitzen nicht geschaffen ist. Obwohl unser Körper einiges aushält, wehrt er sich früher oder später gegen permanente Fehlbelastungen. Sie sind insbesondere an Arbeitsplätzen sehr hoch und zeitlich intensiv, welche nicht an die menschliche Anatomie angepasst wurden.

Dies führt direkt zum zweiten Punkt: Es gilt, das Sitzen für die Mitarbeiter so angenehm und effektivitätssteigernd wie möglich zu gestalten. Wie dies in der Praxis aussehen kann, erklären unsere „Arbeitsplatzsystem FAQ“ auf YouTube. 

Unnötige Belastungen geschickt vermeiden

Viele Stunden in ein und derselben Position zu arbeiten, macht sich schnell bemerkbar. Verspannungen, wenn nicht gar Schmerzen sind häufig die Folge. Überall, wo es prozessbedingt möglich ist, empfiehlt sich daher der Wechsel zwischen einem Sitz- und Steharbeitsplatz. Dies ist an einem höhenverstellbaren Arbeitstisch besonders gut möglich. Es mag kurios klingen, doch der Mensch sitzt erst seit 250 Jahren dauerhaft. Daher sind wir an diese Position im Grunde nicht gewöhnt. Wenn der Werker schon eine Weile im Sitzen gearbeitet hat, ist es ergonomisch sinnvoll, von der sitzenden zur stehenden Arbeitsposition zu wechseln. Dadurch wird der Rücken deutlich entlastet. Das ideale Verhältnis: 80 % dynamisches Sitzen – 20 % Stehen.

Ergonomische Industriestühle 

Sitzen ist bei den meisten Tätigkeiten unvermeidlich und Stühle sollten ergonomischen Prinzipien unbedingt entsprechen. Bei der Auswahl eines Arbeitsstuhls für das industrielle Umfeld empfiehlt es sich daher, einige Besonderheiten zu beachten. Beispielsweise sollte das Polster besonders robust ausgeführt sein, damit es im Bedarfsfall abwaschbar ist und mechanischen Einflüssen widersteht. Am wichtigsten jedoch sind die individuellen Einstellungen. Zunächst justiert man die Höheneinstellung. Somit erreichen Ober- und Unterschenkel einen Winkel von über 90 Grad (bei einer geraden Fußauflage). Um eine bequeme Unterstützung des Oberschenkels zu erreichen, wird die Sitzfläche dann leicht nach vorne verstellt.

Auf diese Weise lässt sich eine bequeme Haltung erreichen, ohne die Blutzufuhr zu behindern. Idealerweise verfügt die Rückenlehne zudem über eine Lordosenstütze. Als „Lordose“ bezeichnet man die in Richtung Bauch gerichtete Krümmung der Wirbelsäule. Üblicherweise befindet sich die Lendenwirbelsäule in dieser vorteilhaften Position. Sind jedoch die an der Lendenwirbelsäule liegenden Muskeln erschlafft, kommt es zu einer Krümmung in Rückenrichtung (Kyphose).

Ergonomisch sitzen und die Wirbelsäule entlasten

Um der Fehlhaltung der Kyphose aktiv entgegenzuwirken, kommen besagte Lordosenstützen an Rückenlehnen von Arbeitsstühlen zum Einsatz. Zur Unterstützung der Lendenwirbel sollte die Rückenlehne mit ihrer Lordosestütze in die richtige Höhe gebracht werden. Diese Funktion ist für eine ergonomische Sitzhaltung von entscheidender Bedeutung.  

Eine federnd gelagerte Rückenlehne mit einstellbarem Gegendruck ermöglicht dynamisches Sitzen, wodurch die Wirbel auch besser mit Nährstoffen versorgt werden. Durch eine leichte Neigung der Sitzfläche nach vorne um -5 Grad wird eine Kippung des Beckens erreicht, wodurch die aufrechte Sitzposition gefördert wird. Arbeitsstühle haben in der Industrie mindestens den gleichen Stellenwert wie in der Büroumgebung. Daher sollten sie im Sinne einer effizienten und gesundheitsschonenden Arbeit stets aktuellen ergonomischen Maßstäben entsprechen.

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