Ergonomie in der Industrie: Aspekte, die leicht übersehen werden

24. Feb 2016 item Redaktion

Ergonomie besteht nicht nur aus dem Schutz des Rückens, die Ziele dieser Disziplin sind äußerst vielfältig.

Da wir zuletzt mit dem Sitzen einen echten Ergonomie-Klassiker vorgestellt haben, werfen wir zum Abschluss unserer Reihe über ergonomische Faktoren am Industriearbeitsplatz nun einen Blick auf einige Aspekte, die leider oft etwas untergehen. Es geht dabei vorrangig um Modularität, Greifräume und nicht zuletzt Design. Aber auch ein kurzer, erneuter Blick auf den Beleuchtungsfaktor steht dabei auf dem Programm – allerdings mit einem veränderten Schwerpunkt. Einen guten Überblick bieten die Praxisbeispiele zur Ergonomie in unseren mehrteiligen Videos „Arbeitsplatzsystem FAQ“.

Modularität und Greifraumzonen

Ein Arbeitsplatz in der Industrie ist im Echtbetrieb trotz sorgfältigster Planung im Grunde nie fertiggestellt. Ständig kommen neue Anforderungen hinzu, die flexible Anpassungen erfordern. Hier spielt ein modulares Baukastensystem seine Vorzüge voll aus. Es kommt beispielsweise in der Praxis häufig vor, dass Ablageflächen fehlen. Mit einem integrierbaren Regal kann jedoch schnell eine Ablagefläche geschaffen werden. In einem Baukastensystem lässt es sich genauso leicht auch wieder entfernen.

Bei der Gestaltung eines Industriearbeitsplatzes sollte zudem immer der Greifraum berücksichtigt werden. Direkt vor dem Mitarbeiter, wo der eigentliche Prozess abgewickelt wird, befindet sich die Beidhandzone. Am besten werden Material und Werkzeug, das häufig frequentiert wird, im Bereich der Einhandzone platziert. Dort ist optimaler Zugriff auf das Material möglich, ohne den eigenen Körper zu drehen. Diese Greifraumzonen sind bei jedem Menschen individuell verschieden: Deshalb ist es wichtig, dass jeder Mitarbeiter seine Materialbereitstellung eigens für sich ausrichten kann. Schwenkarme sind eine ideale Möglichkeit, um Werkzeug in der Einhandzone zu platzieren. Daran können sowohl Tabletts (beispielsweise mit Toolboards) als auch Greifschalen, Haken und Halter für die Werkzeugbereitstellung montiert werden.

Rolle der Beleuchtung am Industriearbeitsplatz

Im Gegensatz zur Beleuchtung an einem Büroarbeitsplatz, wo meist die gleichen Aufgaben zu erfüllen sind, gilt es in der Industrieumgebung, genau den Prozess zu berücksichtigen, der an just diesem Arbeitsplatz ausgeführt wird. Ein wichtiges Kriterium ist, darauf zu achten, dass die Beleuchtung optimal auf die Arbeitsfläche ausgerichtet wird. Suboptimale Beleuchtungsverhältnisse stören nämlich nicht nur die Konzentration und Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters: Wer schlecht sieht, nimmt auf der Suche nach einer Verbesserung eine andere als die vorgesehene Position ein und riskiert damit eine Fehlhaltung. Hierbei zeigt sich auch, wie eng die einzelnen Bereiche der Ergonomie miteinander verknüpft sind.

Ausführlichere Informationen zum Beleuchtungsaspekt finden Sie in unserem Spezialartikel.

Auch Design zählt zur Ergonomie

Wenn wir schon einmal beim Visuellen sind: Es hat sich gezeigt, dass Stühle als komfortabler wahrgenommen werden, wenn sie auch optisch gefallen. Zu beachten ist jedoch, dass diese Wirkung mit zunehmender Dauer wieder abnimmt. Je länger die Sitzdauer, desto stärker tritt der physische Komfort wieder in den Vordergrund. Dennoch wirkt sich das Design messbar auf das Komfortempfinden der Mitarbeiter aus. Dies gilt nicht nur für Stühle, sondern dementsprechend auch für den gesamten industriellen Arbeitsplatz.

Wer in einer ansprechend gestalteten Arbeitsumgebung tätig ist, wird zudem stärker dazu motiviert, die Arbeitsfläche pfleglich zu behandeln. Hinzu kommt, dass eine strukturierte optische Gestaltung und funktionsbetonte Formensprache die Erfassung der Arbeitsabläufe erheblich vereinfachen. Hochqualitatives Design vermittelt darüber hinaus elegant das Selbstverständnis des Unternehmens – nach innen und außen. So greift ein Rad ins andere. Dieser Punkt verdeutlicht den gesamtheitlichen Ansatz der Ergonomie besonders eindringlich.

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