Die Anfänge der Dampfmaschine in Deutschland

16. Aug 2017 item Redaktion

Wie die erste ausgereifte deutsche Dampfmaschine unter extremen Bedingungen den Abbau von Kupferschiefer in einer der entscheidenden Bergbauregionen sicherstellte. 

In einem früheren Beitrag hatten wir uns bereits mit der Frage beschäftigt, was Automation bedeutet. Dabei waren uns bei unserer Zeitreise neben Gestalten wie Heron von Alexandria auch die Auswirkungen der Dampfmaschine begegnet. Denn die Unabhängigkeit von tierischer oder menschlicher Kraft kam einer Revolution gleich. Allerdings wird leicht übersehen, dass die Dampfmaschine ursprünglich in einem gänzlich anderen Kontext eingesetzt wurde – nämlich im Bergbau. Hier wird man auch fündig, wenn man sich auf die Suche nach den Ursprüngen der Dampfmaschine in Deutschland begibt. 

Antwort auf ein drängendes Problem 

Am 23. August 1785 wurde im König-Friedrich-Schacht bei Hettstedt im heutigen Sachsen-Anhalt die erste deutsche Dampfmaschine nach der maßgeblichen Bauart von James Watt (1736-1819) in Betrieb genommen. Ursprünglich sollte dort bereits 1782 Kupferschiefer abgebaut werden, doch der Wasserzufluss im 100 Meter tiefen Schacht war außerordentlich stark. Ohne neuartige technische Unterstützung wäre es nicht möglich gewesen, genug Wasser für einen störungsfreien Betrieb abzupumpen. Mit der herkömmlichen Methode des Pferdeschöpfwerks stieß man an deutliche Grenzen. 

Dieses Problem war unausweichlich: Bereits in der Reformationszeit hatte in der Region der Bergbau begonnen, sodass die Vorkommen nahe der Oberfläche vollständig aufgebraucht waren. Es blieb folglich nur der Weg in die Tiefe. Nun realisierte die zuständige Kommission dabei schnell, dass eine moderne Dampfmaschine gebraucht wurde. Also setze man auf den aufstrebenden Ingenieur Carl Friedrich Bückling (1756-1812). Dank eines Modells im 1:6-Maßstab und überzeugenden Kostenvoranschlags bewilligte der preußische König schließlich Bücklings Pläne. 

Erste deutsche Dampfmaschine: Entstehung und Nachruhm 

Teils in einem eigens errichteten Werk, teils in ganz Preußen verstreut entstanden die Teile für das ambitionierte Projekt. Währenddessen begann bereits der Abbau des Kupferschiefers, noch mit vorübergehender Unterstützung von Pferdeschöpfwerken. Bücklings Dampfmaschine leistete nach Anfangsschwierigkeiten treue Dienste und wurde noch einige Male weiter optimiert. 1794 war es dann Zeit für ein Nachfolgemodell, von Bückling konstruiert. Obwohl es zwanzig Jahre erfolgreich in Betrieb war, ist es der Vorgänger, an den man sich heute erinnert. Dieser gehörte auch keinesfalls zum alten Eisen, sondern kam noch bis 1848 an anderer Stelle, genauer gesagt in Löbejün, zum Einsatz.  

Bis heute ist die Region stolz auf Bücklings Dampfmaschine. Im Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss Hettstedt ist ein Funktionsmodell – also eine Nachbildung – der Originalmaschine zu sehen. Auf der Schachthalde des König-Friedrich-Schachtes wurde 1885 sogar vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) das sogenannte „Maschinendenkmal“ errichtet. Eine dort angebrachte Gedenktafel enthält folgenden Text: „Am 23. August 1785 kam an dieser Stelle, dem König-Friedrich-Schacht, zum ersten Male eine aus deutschem Material und von deutschen Arbeitern hergestellte Feuermaschine in Betrieb, zu dauernder gewerblicher Benutzung.“ 1985 und 2015 wurde das Denkmal anlässlich seines 100- beziehungsweise 130-jährigen Bestehens zudem ordentlich herausgeputzt. Für Technikbegeisterte lohnt sich ein Ausflug nach Hettstedt aber so oder so.  

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