Darum sind barrierefreie Arbeitsplätze so wertvoll

1. Jun 2016 item Redaktion

Ergonomische Arbeitsplätze tragen der Tatsache Rechnung, dass jeder Arbeitnehmer über individuelle körperliche Voraussetzungen verfügt. Was ist jedoch zu tun, wenn zu diesen Voraussetzungen auch körperliche Beeinträchtigungen gehören?

Hier kommt das Konzept der Barrierefreiheit zum Tragen. Damit ist zunächst ganz allgemein eine umfassende Zugänglichkeit beziehungsweise Benutzbarkeit für alle Menschen in jedem Alter gemeint: Dies gilt sowohl für Gebäude als auch für die Benutzung von Medienangeboten, wie etwa einer Website. In Bezug auf die Arbeitswelt bedeutet dies, dass es idealerweise für die Benutzung eines Arbeitsplatzes keine Einschränkungen gibt – unabhängig von dauerhaften körperlichen Einschränkungen oder Alterserscheinungen. Im Folgenden soll es darum gehen, Kriterien und Vorteile von barrierefreien Arbeitsplätzen vorzustellen.

Barrierefreie Gestaltung der Arbeitsstätte

Exemplarisch seien an dieser Stelle einige relevante Aspekte bei der Einrichtung von barrierefreien Arbeitsplätzen genannt. Bei Arbeitnehmern, die im Rollstuhl sitzen oder eine Geh- und Stehbehinderung haben, ist etwa der Greifraum deutlich eingeschränkt: Sie können sich in den meisten Fällen nicht strecken oder beugen, um benötigte Gegenstände zu erreichen, die mehr als eine Armlänge entfernt sind. Im Falle übermäßig großer Greifdistanzen ist zudem eine Mitbewegung des Rumpfes nötig, um einen Ausgleich zu bewirken. Dadurch jedoch wird das Greifen schwieriger und das Risiko belastungsbedingter Erkrankungen im Rücken- und Schulterbereich erhöht sich.

Eng damit verknüpft ist die Körpergröße. Im Durchschnitt unterscheidet sich die optimale Tisch- und Arbeitshöhe für Frauen und Männer um 125 Millimeter. Was für ergonomische Arbeitsplätze entscheidend ist, gilt für ihre barrierefreien Pendants freilich umso dringlicher, nämlich, dass sie an die individuelle Körpergröße anpassbar sein müssen. Grundsätzlich gilt: Ein Arbeitsplatz ist für ungefähr 90 Prozent der Bevölkerung geeignet, wenn die geltenden Vorschriften von DIN 33 402 und DIN EN ISO 7250 eingehalten werden.

Barrierefreiheit: Verborgenes Talent nutzen 

Hierzulande leben momentan circa 9,6 Millionen Menschen mit einer Behinderung, wobei 7,1 Millionen schwerbehindert sind. Trotz des vorherrschenden Fachkräftemangels wird diese Gruppe oft leider noch übersehen. Dies steht in einem deutlichen Missverhältnis zu ihrem vorhandenen Potenzial: Gerade junge Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen haben häufig eine hervorragende Ausbildung genossen. Oft verfügen sie sogar über eine höhere Qualifikation als Nichtbehinderte.

Laut Bundesagentur für Arbeit können ungefähr 60 Prozent der arbeitslosen Schwerbehinderten eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein absolviertes Studium vorweisen. Dennoch werden sie vom Arbeitsmarkt quasi ausgeschlossen. Hier liegt also viel Talent brach, das mit einem barrierefreien Arbeitsplatzsystem leicht genützt werden könnte. Bisweilen genügen einige Ergänzungen, etwa in Form von speziellem Mobiliar oder einer Rampe, um eine Teilhabe an der Arbeitswelt zu ermöglichen.

Vorteile für Unternehmen

Wenn sich Unternehmen dafür entscheiden, barrierefreie Arbeitsplätze einzurichten und Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu beschäftigen, ergeben sich für diese Unternehmen etliche Vorteile. Zunächst einmal verfügen sie über bestens ausgebildete und dankbare Mitarbeiter. Auf lange Sicht wird dem Fachkräftemangel aktiv vorgebeugt, denn der Kreis an potenziellen Mitarbeitern erweitert sich deutlich. Zudem können sämtliche Fachkräfte nun auch länger im eigenen Betrieb beschäftigt bleiben. Wer auf Barrierefreiheit setzt, denkt langfristig und sorgt für die Zukunft vor.

Auch für die Außenwahrnehmung wird einiges getan: Betriebe können sich auf diese Weise als attraktive Arbeitgeber präsentieren, die sehr am Wohl ihrer Mitarbeiter interessiert sind und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Damit hängt auch die erhöhte Wahrscheinlichkeit zusammen, aufgrund des Profils als Unternehmen mit barrierefreien Arbeitsplätzen öffentliche Aufträge zu akquirieren. Betriebliche Prozesse und somit die Effizienz im Allgemeinen werden im Übrigen durch eine ergonomischere Arbeitsweise signifikant verbessert. Darüber hinaus entfällt die Entrichtung der Ausgleichabgabe. Sie muss entrichtet werden, wenn Arbeitnehmer ihrer gesetzlichen Pflicht nicht nachkommen, Schwerbehinderte einzustellen. Diese verbindlichen Forderungen bemessen sich jeweils am Jahresdurchschnitt der vorhandenen Arbeitsplätze.

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