Barrierefreies Arbeiten - Vorteile für die Industrie

20. Sep 2017 item Redaktion

Der Begriff „Barrierefreiheit“ fällt oft und in den unterschiedlichsten Zusammenhängen. Was bringt er aber produzierenden Unternehmen? 

Mal geht es etwa um Texte oder Websites, dann um den Zugang zu Gebäuden oder zur Teilhabe am Arbeitsleben. Hier wird bereits deutlich, wie die genannten Barrieren zu verstehen sind: Es geht sowohl um physische als auch „immaterielle“ Hindernisse. Der Internetauftritt der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung fasst Barrierefreiheit wie folgt zusammen: „,Barrierefreiheit‘ bedeutet einen umfassenden Zugang und uneingeschränkte Nutzungschancen aller gestalteten Lebensbereiche.“ Dazu zählt eben auch barrierefreies Arbeiten in der Industrie. Wie lassen sich hier die doch beachtlichen Schranken abbauen? Und wie profitieren Unternehmen konkret davon, wenn sie auf modulare barrierefreie Arbeitsplatzsysteme setzen? 

So profitieren Arbeitgeber von barrierefreien Arbeitsplätzen 

Unternehmen müssen angesichts der demographischen Entwicklung und des anhaltenden Fachkräftemangels reagieren. Durch den Einsatz barrierefreier Arbeitsplätze beweisen sie Weitblick – und sie beugen proaktiv vor, anstatt nur zu reagieren. Zunächst werden auf diese Weise hochqualifizierte und -motivierte Mitarbeiter erschlossen, die oftmals unverschuldet durch das Raster des Arbeitsmarkts fallen. So wird es Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2021 circa 3,4 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung im erwerbsfähigen Alter geben. Viele davon sind hochqualifiziert. Auch ältere Mitarbeiter sind wertvoll, da sie aufgrund ihres Know-hows nicht nur gute Arbeit leisten, sondern auch wertvolles Wissen an Berufseinsteiger weitergeben. 

Darüber hinaus lohnt sich die Berücksichtigung ergonomischer Grundprinzipien nicht nur hinsichtlich behinderter und älterer Mitarbeiter. Auch jüngere Arbeitnehmer werden durch die Arbeit an ergonomisch ausgerichteten Arbeitsplätzen geschont und lernen, achtsamer zu werden. Dies wirkt sich wiederum förderlich auf ihre Produktivität aus. In einem von uns geführten Interview bringt Professor Dr.-Ing. Martin Schmauder die Essenz von Ergonomie und gleichzeitiger Barrierefreiheit auf den Punkt: eine Symbiose von „Humanität und Wirtschaftlichkeit“. In diesem Licht sollte man auch die Wirkung von barrierefreien Arbeitsplätzen auf das Image eines Betriebs betrachten: Qualifizierte und dankbare Mitarbeiter, die sich zugleich langfristig einsetzen lassen und für das soziale Gewissen eines Unternehmens stehen, sind eine exzellente Visitenkarte. 

Praxis-Tipps für barrierefreies Arbeiten

Doch wie ist um die Anschaffung barrierefreier Arbeitsplätze bestellt? Auch hierzu findet Professor Schmauder treffende Worte. Da ergonomische Methodik die Basis für barrierefreies Arbeiten bildet, trifft sein Fazit auch hier ins Schwarze: „Arbeitsplatzsysteme auf Basis eines Baukastens können ja mehrfach verwendet werden. Wenn es Änderungen im Produktspektrum gibt – was heutzutage oft vorkommt –, dann können diese Systeme angepasst werden und es muss nicht etwas Neues beschafft werden. Auf die Nutzungsdauer gerechnet, sind [ergonomische] Arbeitsplatzsysteme nicht wirklich teurer.“ Nimmt man dazu die bereits genannten Aspekte hinzu, ist die Rechnung klar: Barrierefreie Arbeitsplatzgestaltung lohnt sich. 

Grundsätzlich ist jedoch die Anpassung einer bestehenden Arbeitsstätte gemäß barrierefreier Prinzipien mit nicht unerheblichem Aufwand verbunden. Daher empfiehlt es sich, bei der Konzeption neuer Arbeitsplätze direkt auf Barrierefreiheit zu setzen. Auf diese Weise werden die Weichen rechtzeitig gestellt und ausreichendes Potenzial für Tests eröffnet sich. Das sogenannte „Zwei-Sinne“-Prinzip soll an dieser Stelle als Beispiel für den Umfang des Konzepts des barrierefreien Arbeitens stehen. 

Barrierefreiheit umfasst nämlich nicht nur naheliegendere Aspekte wie Sitzen, Greifraum oder Beinfreiheit, sondern auch die sinnliche Wahrnehmung. Was wie selbstverständlich klingt, wird häufig übersehen. Was ist nun mit den „zwei Sinnen“ gemeint? Ganz einfach: Informationen zu Arbeitsschutz etc. werden gemäß diesem Prinzip stets so kommuniziert, dass im Falle des Ausfalls eines Sinnes immer noch ein zweiter greifen kann. Fallen etwa akustische Signale aus, so muss dies durch optische Warnzeichen kompensiert werden. In der Summe ergibt sich jedenfalls folgendes Bild: Entscheider, die auf barrierefreie Arbeitsplatzsysteme setzen, bauen auch mögliche Barrieren für die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens ab.

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