Pionierarbeit im Vinylpressen

11. Jan 2017 item Redaktion

Wie die Irmler GmbH dem Markt für Schallplattenpressen neues Leben einhaucht.

Die altbekannte Schallplatte erlebt seit einigen Jahren ein weltweites Comeback. Allein bis Ende 2016 stiegen die Verkäufe von Musik auf Vinyl noch einmal um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Nachdem sich der Musikmarkt seit den 1980er Jahren mit dem Aufkommen von CD über MP3 bis hin zum Streaming über das Web zu einem nicht physischen Konsumgut entwickelt hat, setzt Vinyl allein durch das Format einen gegenläufigen Trend.

Alte Schallplattenpressen modernisieren

Der stetig steigende Bedarf an Produktionskapazität für Schallplatten trifft dabei auf eine deutlich reduzierte Anzahl an funktionstüchtigen Anlagen, um das Vinyl zu pressen. Im Jahr 2014 erhielt die Irmler GmbH daher den Auftrag, eine alte Schallplattenpresse mit neuer Technik wieder zum Leben zu erwecken. Das Retrofit der bestehenden Anlage funktionierte auf Basis der seit Jahrzehnten etablierten Technik sehr gut. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich der Kernprozess durch den Einsatz moderner Richtlinien und Verfahren noch einmal deutlich effizienter gestalten ließe.

Allerdings gibt es aktuell weltweit keinen Hersteller mehr für Vinyl-Schallplattenpressen. Daher fragte der Retrofit-Kunde Irmler als Sondermaschinenbauer, ob die Planung und Konstruktion einer komplett neuen Presse realisierbar ist. Die Ersatzteilversorgung der alten Alpha-Toolex-Maschinen sollte dazu unabhängig parallel weiterlaufen.

Schallplatten herstellen mit moderner Technik 

Als Grundlage diente eine 3D-Zeichnung der modernisierten Anlange, die via CAD mit einer modernen Steuerung und Servotechnik kombiniert wurde. Der Kernprozess, das Pressen der Platte, funktioniert immer noch wie vor 50 Jahren. Mit neuer Ventiltechnik werden die Formen mit heißen bzw. kalten Medien temperiert während die Formen mittels hohem Druck durch die Hydraulik zusammengepresst werden.

Es wurde gemeinsam ein Projektzeitraum definiert und die Grundfunktion der Maschine inklusive der kompletten Hydraulikanlage bei Irmler getestet. Ein Test der komplett aufgestellten Anlage erfolgte erst vor Ort beim Kunden. Da zum Pressen von Vinylschallplatten sehr viel Equipment in der Peripherie benötigt wird, war ein Testlauf in der Konstruktionshalle der Irmler GmbH nicht möglich. 

Automatisierung vom Extrudieren bis zur Verpackung

Einige der wesentlichen Vorteile der neu konstruierten Schallplattenpresse ist die Servotechnik zwischen Pressvorgang und verpackter Platte. Das Extrudierverfahren wurde mit elektronisch via SPS geregelten Heizzyklen und moderner Antriebstechnik komplett überarbeitet. Hinzu kommt die SPS-Steuerung der gesamten Peripherie. Diese ist nun variabler einstellbar als mit der zuvor verwendeten manuellen Steuerung. Zähler und Zeiten sind via Touchpanel komplett frei parametrierbar. Optimiert wurden zudem die Etiketten- und die Kuchenzuführung, während das Verpacken in Papiertaschen und die Kühlblechzuführung eine Automatisierung erfuhren.

Auch die Themen Sicherheit und Qualitätssicherung wurden für den Prototypen überarbeitet. Die Sicherheit ist nun auf dem neusten Stand der Technik auf Basis der Maschinenrichtlinie. Für eine gleichbleibend hohe Produktqualität sorgen eine Positionsüberwachung des Pressgestells und die Drucküberwachung der Hydraulik.

Schallplattenpressen von Irmler

Nach Aufstellung des Prototypen und einer Betriebsdauer von einigen Monaten zeigte sich schnell, dass die Maschine die kalkulierten Leistungsdaten erfüllt und bei den Schallplatten die vom Kunden erwartete Qualität bringt. Weitere Aufträge waren die Folge. 

Heute befinden sich mittlerweile 5 neue Schallplattenpressen beim Kunden zur Produktion neuer Vinyls. Die Qualität der Tonträger ist genauso hoch wie die der alten Maschinen. Durch die komplette Dokumentation und Fehleridentifizierung der Steuerung ist die Fehlersuche bei einer Störung auf ein Minimum an Zeit reduziert.

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Wissen

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