Die Müngstener Brücke: 120 Jahre ganz oben

22. Mär 2017 item Redaktion

Am 22. März 1897 wurde das Richtfest für die bis heute höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands begangen.

Dabei kann die zwischen Remscheid und Solingen gelegene Müngstener Brücke – neben ihrem runden Geburtstag – mit weiteren bemerkenswerten Daten aufwarten: Sie ist 107 Meter hoch und 465 Meter lang, wiegt 5000 Tonnen, und verdankt ihre Stabilität unter anderem 934.456 Nieten. Es zählt bei allen Superlativen aber auch die Frage, ob sich Bauten in einer Region etablieren können. Bei der Müngstener Brücke ist beides der Fall. Ihren spektakulären Anblick hat wohl jeder rund um Solingen fest ins Herz geschlossen. Uns geht es genauso! Und das ist längst nicht alles: Auch der 2006 eröffnete Brückenpark Müngsten hat sich zum beliebten Ausflugsziel entwickelt. Zudem ist das Bauwerk auch ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Ingenieursgeschichte und ein Teil unserer Identität als Solinger Unternehmen im Maschinenbau. 

Innovatives Verfahren für die Müngstener Brücke 

Bitte alle einsteigen, es geht direkt ins 19. Jahrhundert: Wir befinden uns mitten im Büro von Anton Riepel (1852–1926), einem der renommiertesten Ingenieure der Kaiserzeit. Er sitzt vor einem Stapel Unterlagen, schaut ein wenig zerknirscht und skizziert unermüdlich. Was beschäftigt ihn? Er ringt mit einem Projekt, das ihn und viele seiner Kollegen schon Jahre beschäftigt. Als die Brücke, die zunächst Kaiser-Wilhelm-Brücke hieß, eröffnet wurde, waren seit den ersten Plänen acht Jahre vergangen. Bereits 1890 wurden von staatlicher Seite die zunächst für den Bau veranschlagten fünf Millionen Mark bewilligt. Es handelte sich keinesfalls um ein reines Prestigeprojekt. Um die Idee zum Bau der Müngstener Brücke nachzuvollziehen, musste man sich nur eine auffällige Diskrepanz vor Augen führen: Obwohl Solingen und Remscheid lediglich acht Kilometer voneinander entfernt liegen, musste man auf dem Schienenweg 42 Kilometer zwischen den beiden Städten zurücklegen. 

Daher war eine Eisenbahnbrücke die logische Konsequenz. Für den Bau der heutigen Müngstener Brücke kam ein innovatives, aber schwieriges Verfahren zum Einsatz, daher sind die Grübelfalten des Herrn Riepel nicht verwunderlich. Es handelt sich um den sogenannten „freien Vorbau“. Das bedeutet, dass beim Hauptbogen der Müngstener Brücke die Bogenhälften bis zum Bogenschluss fertig gebaut wurden – ohne zusätzliche Gerüste. Durch eine Rückverankerung waren sie in der Lage, sich selbst zu tragen. Dies trug zu einer erheblichen Material- und Kostenentlastung bei (es waren am Ende nur 2,64 Millionen), führte jedoch im Vorfeld zu aufwendigen Berechnungen. Die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn Riepel und seine Müngstener Brücke wurden zu absoluten Vorreitern des Verfahrens. 

Große Pläne und Freizeitspaß im Brückenpark Müngsten

Jetzt aber zurück in die Gegenwart: Wer sich für die Müngstener Brücke begeistert, sollte ihr auf jeden Fall die Daumen drücken. Zur Zeit versucht das bergische Städtedreieck (Solingen, Remscheid, und Wuppertal) nämlich nach Kräften, sie zu einem Weltkulturerbe der UNESCO zu machen. Gemeinsam mit ähnlichen Brücken in Porto und aus der Auvergne möchte man sich als „transnationales Weltkulturerbe“ etablieren. Rund um die Brücke wurde der Brückenpark Müngsten geschaffen. In diesem Naturschutzgebiet, in dem zudem ein PKW-Verbot gilt, hat unter anderem der artengeschützte Eisvogel sein Zuhause. 

Wer interessante Technik und sportliche Aktivität sucht, sollte die Schwebefähre ausprobieren. Mit dieser speziellen Anfertigung nach Drainage-Prinzip gelangt man mit eigener Muskelkraft von Solingen nach Remscheid und umgekehrt. Prinzipiell kann man diese „natürliche“ Form der Automatisierung durchaus mit der Karakuri-Methode vergleichen. Nach einer solchen Anstrengung ist eine Stärkung angebracht: Das Haus Müngsten bietet nicht nur das, sondern engagiert sich auch sozial. Als Integrationsunternehmen bietet es arbeitslosen Menschen mit Behinderung eine berufliche Perspektive, was absolut vorbildlich ist.

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