Behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung in Traditionsgießerei

9. Mai 2018 item Redaktion

So bleiben die wertvollen Fertigkeiten eines Mitarbeiters trotz Handicaps erhalten.

Jeder Mensch ist individuell. Was als selbstverständlich erscheint, hat in speziellen Bereichen der Arbeitswelt eine besondere Relevanz – und wird immer noch nicht in allen Fällen genügend beachtet. Dazu zählt auch die manuelle Arbeit in der Industrie. Um hohe Leistungsfähigkeit und schonende Haltung gleichermaßen zu gewährleisten, muss der Arbeitsplatz auf die individuelle Beschaffenheit des Werkers genau angepasst sein. Noch dringlicher sind entsprechende ergonomische Prinzipien bei Arbeitnehmern mit Behinderung. Barrierefreie beziehungsweise behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung gleicht Handicaps hinsichtlich Aspekten wie Körpergröße, Greifraum und Beleuchtung optimal aus. Ein aktuelles Beispiel, wie ein Arbeitsplatzsystem einen langverdienten Mitarbeiter nach Kräften unterstützt, findet sich bei der Bögra Gmbh aus Solingen.  

Mit viel Know-how durch die Jahrzehnte 

Bögra ist Spezialist für Pleuel- und Kolbenbolzenbuchsen, die im Kupferguss hergestellt werden, und kann auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken. Nach dem Einstieg von Eugen Grah nannte sich das 1913 von Max Böntgen gegründete Unternehmen Böntgen & Grah. In der Zeit der Weimarer Republik beschäftigte man bereits 60 Mitarbeiter. Nach 1945 kam es zu einer Intensivierung der Beziehungen zur Automobilbranche, die bis zum heutigen Tage zu den wichtigsten Partnern des Unternehmens zählt. 

Gleichzeitig erfolgte ein Ausbau der internationalen Ausrichtung, was auch eine Erweiterung des Produktportfolios bedeutete. Statt vorgedrehten wurden nun einbaufertige Gleitlager produziert, zudem kam es zur Aufnahme von Kokillen-, Strang- und Schleuderguss in das Angebot. Nach der Neugründung 1992 nannte man sich schließlich Bögra (ein Kofferwort aus Böntgen und Grah) und zog im Folgejahr in eine 1.200 Quadratmeter große Produktionshalle. Nicht zuletzt dank stetiger technologischer Erweiterungen, darunter 2011 die Einführung einer halbautomatischen Gießmaschine für Kokillenguss, erweiterte sich der Kundenkreis kontinuierlich.  

 

Erleichterung dank behindertengerechter Arbeitsplatzgestaltung 

Wegen verschiedener Erkrankungen verfügt ein Mitarbeiter in der Versandabteilung über einen eingeschränkten Greif- und Bewegungsspielraum. Er ist für das Wiegen von einzelnen Komponenten und bis zu 30 Kilogramm schweren Kartons zuständig. Daher hätten typische Bewegungen in seinem Arbeitsalltag schmerzhafte Belastungen mit sich gebracht. Gerade beim Anheben von schweren Kartons und längerem Halten in ein und derselben Position wäre dies der Fall gewesen. Nun war eine moderne Lösung gefragt, um ihm durch einen individuell anpassbaren Versandarbeitsplatz die Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Hierbei entschied sich Bögra für unser Arbeitsplatzsystem. In der Planungsphase fanden zahlreiche Vorbesprechungen statt, bei denen sich die Verantwortlichen von Bögra und item intensiv mit dem betroffenen Mitarbeiter austauschten. 

Resultat der Beratungen ist ein behindertengerechter Arbeitsplatz, der aus einem elektrisch höhenverstellbaren Tischgestell mit einer Arbeitsplatte besteht, in der die Waagen eingelassen sind. Somit kann der Mitarbeiter die Waren in einer angenehmen Haltung annehmen und auf dem Tisch verschieben. Beides geschieht ohne größere Kraftanstrengung. Zusätzlich verfügt er nun über die Möglichkeit, sowohl im Sitzen als auch im Stehen zu arbeiten, ganz nach Bedarf. Zwei Schubladenschränke, ein Tablett mit Winkelfeststellung, eine Kabelwanne und ein Tastaturarm sorgen für komfortable Greifwege und eine zeitgemäße Medienversorgung. Im eingeschränkten Greifraum des Mitarbeiters lassen sich zudem weitere Geräte platzieren, etwa ein Etikettendrucker. Sein neuer behindertengerechter Arbeitsplatz ermöglicht es dem Mitarbeiter, sowohl höchst produktiv als auch gesundheitsschonend zu arbeiten.

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